#284 Wohnen: Infrastruktur oder Finanzprodukt?
Ausgehend von einer Räumung in Spanien, bei der eine 87-jährige Frau nach Jahrzehnten aus ihrer Wohnung geholt wurde, diskutieren Katarina Ivankovic und Dr. Peter Hettenbach, was passiert, wenn Grundversorgung zur Renditemaschine wird und Politik zu spät reagiert. Die beiden vergleichen Mietanstiege und Sozialwohnungsquoten in Deutschland, Spanien und Frankreich: Während deutsche Städte im Schnitt rund 5 Prozent Mietsteigerung pro Jahr erleben und nur etwa 3 Prozent des Bestands Sozialwohnungen sind, liegt Spanien bei rund 13 Prozent Mietplus und ähnlich niedriger Sozialquote. In Paris dagegen bremsen rund 16 Prozent Sozialwohnungen den Mietanstieg auf etwa 0,8 Prozent und sorgen trotz hoher Ausgangsmieten für deutlich mehr Stabilität. Historisch blicken sie auf den sozialen Wohnungsbau der Nachkriegszeit: Hunderttausende neue Sozialwohnungen pro Jahr, bis zu 50 Prozent der Neubauleistung und rund 3,3 Millionen Sozialwohnungen insgesamt. Mit den Privatisierungswellen ab den 1990ern, erst „Right to Buy“ für Mieter, dann Paketverkäufe an Finanzinvestoren, wurde aus langfristigem Bestand ein liquides Finanzprodukt. Heute ist nur noch etwa ein Drittel dieses Sozialwohnungsbestands übrig, während immer weniger Mieterinnen und Mieter ausreichend Eigenkapital für den Wohnungskauf haben. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
